Innenminister ehrt Saalfelder Schutzengel
Saalfeld (Christopher Mielke/cb) - „Eine Gesellschaft ohne Opfer kann nicht leben.“, predigte Superintendent Peter Taeger vergangenen Sonntag in der Johanneskirche. Ein Opfer ist etwas unter Verzicht Gegebenes oder Entgegengebrachtes. Zwei Saalfelder stellten dies unter Beweis, als sie in einer Brandnacht ihre eigene Gesundheit einsetzten, um eine Familie zu retten und so zu Helden und Vorbildern im Menschsein wurden.
Marko Dienemann und Jens Kurzhauer retteten im November 2011 Familie Schenke sowie Huskyhündin „Akita“ vor den Flammen im eigenen Haus. Ein defekter Tiefkühlschrank hatte im Erdgeschoss das Treppenhaus in Brand gesetzt, sodass ein Entfliehen für das Ehepaar im Obergeschoss nicht mehr möglich war. Dienemann befreite seine Nachbarn selbstlos ohne zu zögern mithilfe einer Leiter über deren Schlafzimmerfenster. Mit einem Feuerlöscher bekämpft indes Kurzhauer den Brand und half der eintreffenden Feuerwehr so, die 88jährige Oma zu retten.
Thüringens Innenminister Jörg Geibert ehrte nun beide „Helfer der Helfer“ am 07.06.2012 im Saalfelder Rathaus. Er verlieh Marko Dienemann für sein selbstloses Handeln die Rettungsmedaille und zeichnete Jens Kurzhauer mit dem Erinnerungszeichen für Rettung aus Gefahr aus. „Ihr Handeln verdient eine besondere Würdigung und ist keine Selbstverständlichkeit. Thüringen hat 45.000 Feuerwehrleute. Doch ‚Profi-Helfer‘ allein reichen manchmal nicht aus – um es mit Albert Schweitzer zu sagen: ‚Es kommt in der Welt vor allem auf die Helfer an - und auf die Helfer der Helfer‘. Spontanes und unmittelbares Handeln sind Basis guter Nachbarschaftshilfe. Besonders da ein Gemeinwesen ohne partnerschaftliches Denken nicht vorstellbar ist.“, bekräftigte der Innenminister.
Bürgermeister Matthias Graul zeigte sich stolz: „Bürgerschaftliches Engagement ist in Saalfeld kein Lippenbekenntnis. Für mich als Bürgermeister ist das Zwischenmenschliche das Wertvollste.“
„In den Minuten, in denen die Feuerwehr noch nicht da sein kann, sind Mitmenschen wie Marko Dienemann und Jens Kurzhauer sehr wichtig.“, unterstrich Saalfelds Stadtbrandinspektor Andreas Schüner, der die beiden Helden für eine Auszeichnung vorgeschlagen hatte. Allerdings ohne zu wissen, welche Bürokratie damit einherging.
Finanzielle Anerkennungen durch Freistaat und Stadt sowie Blumen vom Landkreis und städtischer Sekt rundeten die Ehrung ab.
Neben vielen Erfahrungen, Eindrücken und Reflexionen von Gewinn und Verlust hob Peter Schenke eine Sache hervor: „Mit Brandmeldern wäre sicher einiges anders gelaufen.“